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  • Do 24.11.2022 // 20.00 Uhr // Premiere
  • e-werk weimar (Maschinensaal)
  • Premiere 24.11.2022

Kinder des Zorns

nach der wahren Geschichte von Samuel Meffire // von Lothar Kittstein · Uraufführung

Samuel Meffire, 1970 in Zwenkau bei Leipzig geboren, lernt seinen Vater nie kennen. Dieser verstirbt am Tag der Geburt des Sohnes. Alles deutet darauf hin, dass ihn seine Kommilitonen vergiftet haben. Doch der Mord wird nie abschließend aufgeklärt und der Tote alsbald nach Kamerun, in sein Geburtsland, überführt. Als Kind eines Kameruners und einer Deutschen ist Samuel von Beginn an Anfeindungen und Übergriffen ausgesetzt. Offiziell als Rowdytum verharmlost, bekommt er, wie so viele, den in der DDR grassierenden Rassismus zu spüren. Er beschließt Volkspolizist zu werden. Obwohl vom Stiefvater verlacht – ein Schwarzer als staatlicher Gesetzeshüter –, hält Samuel an seinem Vorhaben fest und wird 1988/89 bei einer Polizeieinheit in Leipzig stationiert. Mit dem Zusammenbruch der DDR erlebt er, wie die Welt, an die er geglaubt und der er sich dienstlich verpflichtet hatte, verschwindet. Nahtlos folgen die Baseballschlägerjahre. Samuel entgeht bei einer Hetzjagd nur knapp dem Tod. Und wieder kehrt sich sein Leben ins Gegenteil. Er wird auf Geheiß des neuen Innenministers Heinz Eggert zum Aushängeschild einer Antidiskriminierungskampagne der Polizei in Sachsen. Samuel tingelt durch Talkshows, fristet jedoch seine Arbeitstage hinterm Schreibtisch. Er aber will Rechtsradikale fassen und fährt auf eigene Faust Streife. Als er in den Innendienst versetzt wird, kündigt er und heuert bei einer Security-Firma seiner Ex-Kollegen an. Was nun folgt, ist eine kontinuierliche Abwärtsspirale: Er begeht vier bewaffnete Banküberfälle. Um der Verhaftung zu entgehen, flieht er Richtung Südafrika und bleibt im vom Bürgerkrieg gebeutelten Kongo stecken. Ohne Pass oder Arbeit irrt er durchs Land, erkrankt schwer, überlebt nur knapp und stellt sich schließlich den Behörden.

Samuel Meffire lebt nach einer mehrjährigen Haftstrafe heute als Schriftsteller, Coach und Sozialarbeiter in Westdeutschland. Mit »Kinder des Zorns« zeichnet Autor Lothar Kittstein, seit vielen Jahren eng mit ihm befreundet, die unauflösbaren Widersprüche im Leben Samuel Meffires nach. Kittsteins Stück umfasst jedoch weit mehr: Es widmet sich ostdeutschen Biografien und erzählt von gescheiterten Träumen, von der hiesigen Marginalisierung Schwarzer Menschen und lässt uns eine unausweichliche Reise in Herz und Finsternis deutsch-deutscher Geschichte antreten.

Adewale Teodros Adebisi stellt sich mit seiner Inszenierung von »Kinder des Zorns« erstmals als Regisseur am Deutschen Nationaltheater und Staatskapelle Weimar vor.

In Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung, Fachbereich »Politische Bildung und plurale Demokratie«3 - Standort Gera

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Do 24.11.2022 // 20.00 Uhr Premiere